Veröffentlichung

Sprache als Risikofaktor

Sprache ist ein grundlegender Bestandteil der psychiatrischen Behandlung. Was also sind die Konsequenzen, wenn die Kommunikationsfähigkeit einer Person z. B. durch die psychische Symptomatik oder eine Sprachbarriere eingeschränkt ist?

v.l.n.r.: Celline Cole, Lieselotte Mahler, Anna Oster

Sprache ist ein grundlegender Bestandteil der psychiatrischen Behandlung. Was also sind die Konsequenzen, wenn die Kommunikationsfähigkeit einer Person z. B. durch die psychische Symptomatik oder eine Sprachbarriere eingeschränkt ist?

In einer aktuellen Studie hat die sozialpsychiatrische Forschungsgruppe um Lieselotte Mahler den Zusammenhang zwischen einer Einschränkung der Kommunikationsfähigkeit und dem Risiko, Zwangsmaßnahmen zu erfahren oder gegen den eigenen Willen untergebracht zu werden, untersucht. Die Studie zeigt, dass eine zum Teil oder gänzlich eingeschränkte Kommunikationsfähigkeit bei der Aufnahme, das Risiko, Zwangsmaßnahmen oder eine Unterbringung zu erfahren, signifikant erhöht. Dieser Effekt bleibt auch bei Kontrolle relevanter soziodemografischer und klinischer Variablen, wie beispielsweise aggressives Verhalten vor Aufnahme, Vorstellung mit der Polizei, Diagnose, Alter, Geschlecht, Jobstatus und Wohnsituation, bestehen. Kurz: Wer sich nicht verständlich machen kann und die Behandler:innen nicht versteht, erfährt häufiger Zwang in der Psychiatrie.

Daraus ergeben sich wichtige praktische Implikationen, u. a. die Implementierung von Dolmetscherdiensten in psychiatrischen Einrichtungen und die Notwendigkeit zum Einbezug von Bezugspersonen.

Die zwei aktuellen Publikationen, in denen die Studie und deren Relevanz für die psychiatrische Praxis umfassend dargestellt werden, sind gerade erschienen:

  • Cole, C., Klotz, E., Junghanss, J., Oster, A., Bermpohl, F., Vandamme, A. & Mahler, L. (2022). Patient communication ability as predictor of involuntary admission and coercive measures in psychiatric inpatient treatment. Journal of Psychiatric Research.
  • Cole, C., Oster, A. & Mahler, L. (2022). Lost in Translation? Zusammenhänge zwischen Kommunikationsfähigkeit und Eskalationen in der Psychiatrie. Sozialpsychiatrische Informationen.
18.07.2022 | Veröffentlichung