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„Im Verlauf der Erkrankung spielt die Pflege eine immer größere Rolle.“

Ein Interview mit Uta Stein, Parkinson Nurse und Pflegerische Leitung der Neurologischen Station in den Kliniken im TWW

Einer der Behandlungsschwerpunkte der Neurologie in den Kliniken im TWW ist die Therapie von Parkinson-Patient/innen. Was unterscheidet die Klinik von anderen Häusern?

Uta Stein: Oh, da gibt es schon einige Unterschiede. Wir sind ja ein eher ein kleineres, wunderschön gelegenes Krankenhaus mit teilweise schon familiären Strukturen, etwas abseits gelegen und eingebettet im grünen Herzen Zehlendorfs. Ein guter Standort, der zum Genesen einlädt. Das sind die Kliniken im TWW.

Die neurologische Abteilung der Klinik hat sich unter anderem mit der Spezialisierung auf die Behandlung von Parkinson Patient/innen einen sehr guten Namen erarbeitet. Wir bieten seit einigen Jahren die Parkinson-Komplexbehandlung an. Dieses Komplexprogramm bietet den Betroffenen ein umfangreiches therapeutisches Behandlungskonzept, betreut durch ein berufsgruppenübergreifendes, interdisziplinäres Team.

Die Erkrankung wird während des Aufenthaltes erneut bewertet und am Ende des Behandlungsverlaufes steht das Ziel, Fähigkeiten, die sich im Krankheitsverlauf verschlechtert hatten oder gar verloren gegangen sind, zurück zu erwerben oder zumindest signifikant zu verbessern.

Warum nimmt nicht nur die ärztlich-therapeutische Behandlung bei Parkinson-Patient/innen eine wichtige Rolle ein, sondern auch die Pflege – immerhin gibt es die Spezialisierung Parkinson Nurse?

Uta Stein: Alle Berufsgruppen ziehen hier an einem Strang. Es geht um die Verbesserung der Lebensqualität der uns anvertrauten Patient/innen. Zu Beginn der Erkrankung sind die Patient/innen oft noch sehr selbstständig und bewältigen den Alltag und ihr Leben autark, doch im Verlauf der Erkrankung spielt die Pflege eine immer größere Rolle. Der Krankheitsverlauf ist fortschreitend und die alltäglichen Verrichtungen fallen immer schwerer.

Das gesamte Pflegeteam der Abteilung hat von meiner Weiterbildung profitieren können.

Um den Betroffenen kompetent gerecht zu werden, um sie adäquat und professionell zu betreuen, bedarf es einer Spezialisierung, welche auch seit einigen Jahren in Deutschland angeboten wird. So konnte ich eine Weiterbildung zur Parkinson Nurse absolvieren und habe in dieser Weiterbildung ein umfangreiches Wissen erworben, konnte viel gezielter Abläufe und Prozesse verstehen.

Das gesamte Pflegeteam der Abteilung – hier übertreibe ich nicht – hat von meiner Weiterbildung profitieren können. Ich habe durch interne Fortbildungen und den aktiven Austausch, mein Wissen transparent gemacht und die Gewinner sind natürlich unsere Patient/innen.



Wie unterstützt die Fachpflege bei der Behandlung und Therapie von Parkinson-Patient/innen und wo liegen die besonderen Herausforderungen?

Uta Stein: Für mich ist es am Wichtigsten, dass wir als Fachpflegekräfte die Zusammenhänge im Rahmen der Erkrankung verstehen. Viele Symptome erscheinen oft unklar oder auch unlogisch. Einmal ist der Betroffene komplett auf pflegerische Hilfe angewiesen, kann sich nicht drehen oder aufsetzen im Bett und im nächsten Augenblick steht er auf und geht ins Bad, um sich zu waschen. Diese wechselhafte Symptomatik muss verstanden werden, sonst wird man dem Patienten nicht gerecht.

Im späteren Krankheitsverlauf nehmen leider auch andere Komplikationen zu. So kommt es zum Beispiel zu Schluckstörungen, Halluzinationen, Stürzen, Kreislaufschwankungen, um nur ein paar Dinge zu benennen. Da ist natürlich die Fachpflege gefragt, um auf diese Komplikationen adäquat zu reagieren, und mit den anderen Berufsgruppen in den Austausch gehen und zu eruieren, wie wir unserem Behandlungsauftrag gerecht werden können, natürlich gern im Rahmen unserer Komplexbehandlung.

Uta, du bist seit vielen Jahren Parkinson Nurse, engagierst dich für Selbsthilfegruppen – warum hast du dich für diese Spezialisierung entschieden?

Uta Stein: Motiviert wurde ich wirklich durch meine damalige Pflegedienstleitung. Ich hätte nie gedacht, dass das so viele Innovationen auslösen wird. Ich habe einen besonderen Bezug zu den Betroffenen, habe unzählig viele tolle Menschen auf meinem Weg kennengelernt, leite selbst eine Selbsthilfegruppe in der Stadt Brandenburg. Und die Klinik hat meine Ideen immer unterstützt.

So haben wir in der Neurologischen Abteilung Spezialmatratzen für Parkinson-Patient/innen angeschafft, Spezialbesteck, Antifreezing-Stöcke, um nur einiges zu benennen. Ich denke nicht, dass dies überall so der Fall ist. Mein Motto ist einfach: Man muss es einfach nur machen.

Mein Motto ist einfach: Man muss es einfach nur machen.

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Ein Thema treibt mich jedoch um: Es gibt in Deutschland fast 450.000 Betroffene und die Tendenz ist steigend. Und doch gibt es in ganz Deutschland nur zwei spezialisierte Pflegeeinrichtung für Parkinson-Betroffene.

Auf meinem Weg habe ich schon sehr viel versucht, so ein Projekt, vielleicht auch eine Art Wohngemeinschaft, was auch immer, mit umzusetzen, aber es scheitert letztendlich immer. Das versteh ich wirklich nicht, bei einem derartigen Bedarf. Es gibt unzählige Wohngemeinschaften und Pflegeeinrichtungen für Demenz, ALS, MS. Aber wo ist Platz für unsere Betroffenen? Da gibt es noch jede Menge Handlungsbedarf.


Liebe Uta Stein, vielen Dank für die offenen Worte, vielen Dank für dein Engagement und viel Erfolg bei allen weiteren Projekten!



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